|
|
Das Jahr 2007
Dass die Weserhütte 2007
nochmals in einem Nachrichtenmagazin erscheinen würde, war kaum
absehbar. Doch der Tod des Industriellen war dem Focus einen
Bericht wert.
Der nachfolgende Text sowie
das Foto wurden unverändert der Homepage von
Focus vom 09.03.2007 entnommen. |
Bislang veröffentlichte Inhalte
vorheriger Beitrag <
Klicken Sie
hier,
um eine Übersicht aller bislang veröffentlichten Inhalte zu sehen. |
|
| |
Der Beitrag:
Otto Wolff von Amerongen ist gestorben
Das bestätigte die Kölner Industrie- und
Handelskammer am Freitag. Der 88-Jährige war
seit Jahren krank. Zur Todesursache wollte sich
seine Familie nicht äußern.
Bundespräsident Horst Köhler würdigte Wolff als
„Brückenbauer zwischen Ost und West, der getreu
der Devise Wandel durch Handel maßgeblich zur
Überwindung der Teilung Deutschlands und Europas
beitrug“. Der Präsident des Deutschen Industrie-
und Handelskammertags (DIHK), Ludwig Georg
Braun, bezeichnete ihn als einen
„Wirtschaftsdiplomaten mit Herz“.
Pionier im Ost-Handel
Der rheinische Industrielle knüpfte bereits
während des Kalten Krieges, als die meisten
west-deutschen Unternehmer vor Geschäften mit den
kommunistischen Ländern des Ostens noch
zurückschreckten, vielfältige Kontakte. Dadurch
entwickelte er sich in den 50er-Jahren zu einem
gefragten Ansprechpartner für die
Adenauer-Regierung. Sowohl an der Vorbereitung
des ersten deutsch-sowjetischen Handelsvertrags
als auch am Abschluss des ersten Handelsvertrags
mit der Volksrepublik China war er beteiligt.
Ab 1969 war Wolff nahezu 20 Jahre DIHK-Präsident
und lenkte die Geschicke des Ost-Ausschusses der
Deutschen Wirtschaft bis 2000 fast ein halbes
Jahrhundert lang. Ein Schwer-punkt galt den
deutsch-russischen Beziehungen. Beim
Ex-Sowjetpräsidenten Michail Gorbatschow brachte
ihm seine Arbeit die Bezeichnung „ältester
Pionier der Arbeitsbrigade
Deutschland/Sowjetunion“ ein.
Ein Unikat
Als größten Erfolg, zu dem er beigetragen hatte,
wertete der Rheinländer die Wiederherstellung
der Osthandelsbeziehungen für Deutschland vor
und nach der Wende von 1989/90. Er wurde als
erster Deutscher in den Aufsichtsrat des
US-Ölkonzerns Exxon berufen und gehörte während
seiner beruflichen Karriere etwa 40 Aufsichts-
oder Beiräten an. Der Kölner Verleger Alfred
Neven DuMont beschrieb Wolff als „weltmännisch“
und „souverän, für Köln eine außerordentliche
Erscheinung, die völlig aus dem Rahmen fiel“.
Keine lupenreine Weste
Ende der 80er-Jahre bekam sein Ruf als
Unternehmer aber auch ein paar Kratzer. Die 1983
von der Otto Wolff AG mehrheitlich übernommene
PHB Weserhütte AG musste 1987 mit Verlusten von
mehr als 200 Millionen DM Vergleich anmelden und
ging letztendlich Pleite. Als weiterer Missgriff
wurde Wolff der Kauf eines veralteten
Stahlwerkes im US-Bundesstaat Texas vorgehalten,
der das Unternehmen 270 Millionen D-Mark
kostete. 1990 übernahm die Düssel-dorfer Thyssen
AG die Otto Wolff AG zu 100 Prozent.
Die letzten Jahre waren zudem von Berichten über
Verstrickungen von Wolffs Unternehmen während
der Nazizeit überschattet. Die Eisenhandelsfirma
– die seit 1940 von ihm selbst geführt wurde –
soll Aktien, Gold und andere Werte aus dem
Vermögen deportierter Juden im Auftrag der Nazis
verkauft haben. Von 1945 bis 1947 war der Kölner
interniert.
Der Regisseur Gerhard Friedl beleuchtete 2006 in
einem mehrfach ausgezeichneten Kinofilm mit dem
Titel „Hat Wolff von Amerongen Konkursdelikte
begangen?“ dessen Rolle bei einigen
Firmenzusammenbrüchen. Wolff selbst hatte sich
zu dieser Zeit schon ganz aus der Öffent-lichkeit
zurückgezogen. |