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Ziegeleitechnik
Während der Baggerbau in den Jahren vor
dem Zweiten Weltkrieg nur ein kleinerer Teilbereich in den Oeynhausener
Werkhallen war, stellten Anlagen und Maschinen für Ziegeleien einen
bedeutenden Faktor in der Produktion dar. Bis in die 1950er Jahre waren
Beschicker, Pressen und Kollergänge der Weserhütte gefragte Produkte in
deutschen und ausländischen Ziegeleien.
Hier sollen nun die wesentlichen Einrichtungen einer Ziegelei jener
Jahre anhand der Weserhütte-Produkte aufgezeigt werden. Ganz nebenbei
kann der Leser sich so einen Eindruck verschaffen, wie "Backsteine" oder
Dachziegel damals hergestellt wurden.
Ausgangslage der Darstellung soll eine Abhandlung von W. Herbring sein,
die er in seiner Funktion als Oberingenieur der Weserhütte im November
1929 auf der Westfälischen Zieglertagung vorgetragen hat. |
Abhandlung November 1929
"Für die Verarbeitung von
mittleren und schwerem Ton- und Lehmarten kommt heute eigentlich
nur noch folgende Maschinengruppe in Frage: Beschicker,
Kollergang, Feinwalzwerk und Ziegelpresse. Für leichteres,
steinfreies Material genügt eine Anlage bestehend aus
Beschicker, Feinwalzwerk, Mischer und Ziegelpresse.
Besondere Beachtung verdient jedoch die Anordnung der Maschinen,
die vor allem von der Art der Zufuhr des Ton- und Lehmmaterials
abhängig ist. W. Herbring führt dazu aus: "Wenn das Rohmaterial
aus einer Grube mit einem Schrägaufzug heraufgeholt werden muss,
so zieht man die Muldenkipper gleich so hoch, dass das Material
von einer zur anderen Maschine fallen kann." Sofern das Material
aber mit der Feldbahn oder mit Pferdegespannen herangeschafft
werden muss, ist die Anordnung der Maschinen nebeneinander
zweckmäßig.
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Maschinen im Bild
Alle gezeigten
Maschinen werden über Transmissionsriemen
angetrieben und besitzen dafür entsprechende
Riemenscheiben. |
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Kastenbeschicker von
1929 zum gleichmäßigen Aufgeben des Materials |
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Einstellbarer Rund-Beschickungs-apparat von 1929 zur
gleichmäßigen, selbsttätigen Materialaufgabe |
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Nasskollergang mit
doppelter Mahlbahn von 1929 |
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Trockenkollergang,
Baujahr 1929 |
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Schnelllaufendes
Feinwalzwerk von 1929 mit beidseitigen
Riemenscheiben |
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Ziegelpresse Modell
"D" von 1929 für Dachziegel, Drainröhren und dünnwandige Ziegelware |
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1. Station - Der Beschicker
Der Beschicker als erste
Station bringt den angelieferten Ton oder Lehm auf ein
Transportband. Man unterscheidet in Rund- und Kastenbeschicker,
deren Aufgabe es auch ist, das Material aufzulockern. Müssen
verschiedene Materialien gemischt werden, wird ein
Kastenbeschicker mit mehreren hintereinander liegenden
Abteilungen verwendet, aus denen das eingefüllte Material
dosiert auf das Transportband abgegeben werden kann. Bei Bedarf
kann zu trockenes Material im Beschicker auch angefeuchtet
werden, es darf aber nicht kleben bleiben. Große Rundbeschicker
haben deshalb auch eine Schnecke oder einen Ausräumer, der das
Material auf das Transportband führt.
Zur Mischung verschiedener Materialsorten kann anstelle eines
mehrteiligen Kastenbeschickers auch eine Transportschnecke
anstelle des Transportbandes treten, da durch die kreisenden
Bewegungen eine Durchmischung erreicht wird. |
2. Station - Der Kollergang
Zweite Station ist der Kollergang. Seine Aufgabe ist die
Zerkleinerung, Aufbereitung und Mischung des Ton- oder
Lehmmaterials. W. Herbring führt aus, dass die meisten
Ziegeleien Nasskollergänge benötigen und eine doppelte Mahlbahn
mittlerweile zum Standard gehöre. Er erklärt die Arbeitsweise
wir folgt:
"Das Material fällt auf den äußeren Rand der Mahlbahn, wird
von dem äußeren Schaber ergriffen und über die geschlossene
Mahlbahn verteilt. (...) Der äußere Läufer zerdrückt und
zerreibt nun das Material auf der geschlossenen Mahlbahn. Dann
kommt der mittlere Schaber und wirft das Material auf die innere
Rostbahn, wo es von dem inneren Läufer durch die Schlitze
hindurchgedrückt wird. Das auf der Rostbahn verbliebene, noch
nicht durch die Schlitze hindurch gedrückte, d.h. noch nicht
genügend zerkleinerte Material wird von dem rücktreibenden
Schaber zur nochmaligen Zerkleinerung auf die äußere Mahlbahn
zurück geworfen. Auf diesem Vorgang unter gleichzeitiger
Bewässerung beruht die vorzügliche Zerkleinerung, Mischung und
Durchknetung des Materials in einem neuzeitlichen Kollergang mit
doppelter Mahlbahn." |
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3.
Station - Das Feinwalzwerk
Unter dem Kollergang ist als dritte Station das Feinwalzwerk
angeordnet. Dieses muss das Material unbedingt in gleicher Menge
und nicht klumpenweise erhalten, so dass zwischen Kollergang und
Feinwalzwerk eine Trichterschurre vorzusehen ist, deren
Innenwände sehr glatt sein müssen. Je größer die Walzen eines
Feinwalzwerkes sind, desto besser wird das Material zwischen die
beiden Walzen eingesogen, zerdrückt und zerrissen. Dazu laufen
die beiden Walzen mit unterschiedlicher Drehzahl. Da sie sich im
Betrieb unterschiedlich stark abnutzen und dadurch die Qualität
des Materials schwanken kann, müssen sie rechtzeitig
ausgewechselt werden. Eine Federung wird von W. Herbring nicht
empfohlen, lediglich so genannte Brechkapseln sollen verhindern,
das besonders harte Fremdkörper Schäden an den Walzen
verursachen können. Das nun entstandene Material weist eine
mehlartige Konsistenz auf und kann im nächsten Schritt zu
Ziegeln gepresst werden.
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4. Station - Die Ziegelpresse
Die Ziegelpressen gibt es in unterschiedlichsten
Leistungen, weil die unterschiedliche Art der Steine auch
individuelle Pressleistungen der Presszylinder benötigt. W.
Herbring führt 1929 unter anderem das Hamburger Format und das
Deutsche Normalformat aus, außerdem holländische Pfannen,
Biberschwänze, Drainrohre und Deckensteine.
Die gepressten Ziegel müssen anschließend zum Trocknen gelagert
werden. Dafür werden Ziegeleiloren mit besonderen Tragegestellen
verwendet, mit denen die Ziegel in die Trockenhallen verschoben
werden. Die Gestelle, auf denen die Ziegel allseits Luft
bekommen, können von der Lore in die Trockenhalle verschoben
werden. Alternativ werden Kreistransporteure, die ähnlich einer
Umlaufseilbahn funktionieren, angeboten.
Schließlich erfolgt das Brennen der Ziegel in den speziellen
Öfen der Ziegeleien.
Alle genannten Maschinen und Anlagen, vom Eimerkettenbagger über
die Feldbahn, Beschicker, Kollergang, Feinwalzwerk und Pressen,
sowie Transportbänder und Ziegeleiloren konnte die Weserhütte
anbieten.
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Der Maukmischer als Neuerung
1934 pries die Weserhütte in
Ergänzung zu den vorhandenen Maschinen den Maukmischer
an: "Kein Nasskollergang ohne Maukmischer!" wurde verkündet. Der
zwischen dem Nasskollergang und dem Feinwalzwerk angeordnete
Maukmischer vermischt die verschiedenen sowie nassen und
trocknen Materialien durch seine sehr langsame Drehung; das
Material wird sozusagen kurzfristig zwischengelagert und hat
dadurch Zeit zum Mauken. Damit wird erreicht, dass sich die
einzelnen Materialteilchen "miteinander befreunden und
verbinden", wie es die Weserhütte beschreibt.
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Funktionsschema des Maukmischers
Aufbauschema mit Maukmischer, der Beschicker wurde
hier weggelassen.
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Ziegeleiwerbung 1909
In der Tonindustrie-Zeitung Nr.
22 warb die Weserhütte schon 1909 für ihre Ziegelei- und
Zerkleinerungsmaschinen. Anstelle technischer Anlagen wurde
Gewicht auf die Darstellung männlicher Stärke gelegt.
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Internationale Baufachausstellung Leipzig 1913
Die Tonindustrie-Zeitung
berichtet 1913 auf Seit 1274 über die neuen Anlagen der
Weserhütte, die auf der Baufachausstellung in Leipzig im
gleichen Jahr ausgestellt wurden.
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Ziegelei in München-Oberföhring:
Relikt aus der Vergangenheit
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Die ehemalige Trockenhalle einer
Ziegelei: Ein offener Holzbau, in dem die Ziegel auf hölzernen
Regalen trockneten. Lorengleise verbinden die Lagerhalle mit der
Produktion und der Verladestelle. Die von Hand geführten Loren
werden über Drehscheiben auf rechtwinklig angelegte Gleise
verschoben. Hier fehlt allerdings der eigentliche Drehteller,
dafür ist der Königszapfen in der Mitte erkennbar. |
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Ziegeleianlagen - Prospekte und
Druckschriften
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Fotos dieser Seite: Pfeiffer, Slg.
Pfeiffer |
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letztes Update:
24.07.2011 |