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Der Rinnenförderer Tatzelwurm

Tatzelwurm im Einsatz bei der
Dampfziegelei Heisterholz, Anfang der 1970er Jahre
Eine einmalige
Erfindung der Weserhütte war der Tatzelwurm, der über das
Versuchsstadium hinaus zwar einige Abnehmer fand, aber nie eine
große Verbreitung erreichen konnte. Zur Erläuterung soll der
Original-Text der Weserhütte aus einer Messemappe dienen: |
Mehr zur Matthiaszeche

Georg Tropper hat auf seiner
Homepage unter anderem interessante Informationen zur Matthiaszeche
zusammen getragen, die Hintergrund-wissen vermitteln, welches hier nicht
weiter dargestellt wird. |
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"Der Tatzelwurm stellt eine
Spezial-entwicklung der Weserhütte dar und besteht aus einzelnen
Fördergefäßen, die beweglich aufeinander abgestützt sind und
einen geschlossenen Zug bilden. der Zug ist durch die Rückwand
der Gefäße in einzelne Kammern eingeteilt. Jede Kammer oder
Wagen hat zwei Laufräder. Es werden mehrere Laufräder
angetrieben, die über ein Schneckengetriebe und eine
Kardanwelle mit einem oder mehreren Motoren verbunden sind. Bei
größeren Typen hat jede angetriebene Achse einen eigenen Motor.
In Gegensatz zum gewohnten Zugebetrieb wird je nach dem
Verhältnis der getriebenen zu den lose mitlaufenden Radachsen
ein Teil oder das gesamte Gewicht des Zuges einschließlich
Nutzlast als Reibungsgewicht ausgenutzt. Daher ist der
Tatzelwurm in der Lage, als Schienenfahrzeug starke Steigungen
zu befahren, die bei längeren Steigungen, die über die
Gesamtlänge eines Zuges hinausgehen, bis zu 6 Grad betragen
können. In Sonderfällen können auch kurze Steigungen über 6 Grad
bewältigt werden.
Der Tatzelwurm ist ein Fahrzeug mit den Vorteilen eines
Förderbandes. Er kann das Material wie ein Plattenband
kontinuierlich aufnehmen und über große Entfernungen
transportieren, bei denen sich ein geschlossener Plattenbandzug
nicht mehr lohnen würde. Dabei ist er kurvengängig und
anpassungsfähig an das Gelände. Als Fahrbahn wird im
Allgemeinen Feldbahngleis gewählt. Ein Rücken der Fahrbahn im
Abbaubetrieb ist leicht möglich.
Der Tatzelwurm fördert im allgemeinen nur Schüttgüter. Der
Tatzelwurm wird besonders wirtschaflich bei kleiner bis
mittlerer Leistung über mittlere bis große Entfernungen sein. |
Unter jedem Wagen liegt eine
Sattelschurre, über die das Material seitlich vom Gleis
abgeworfen wird, wenn der Wagen gekippt wird. Das Kippen
geschieht durch einen Abwurfwagen, der mit Segmenten unter die
Kipprollen greift, die an den Kammern seitlich befestigt sind.
Der Abwurf kann also ebenso wie die Materialaufgabe an jeder
gewünschten Stelle erfolgen. Die Fahrgeschwindigkeit ist
variabel. An den Aufgabe- und Abgabestellen fährt der
Tatzelwurm langsam, während die freien Strecken mit großer
Geschwindigkeit überbrückt werden. Durch elektrische,
pneumatische, hydraulische oder mechanische Betätigung der
Weichen, Bunkerverschlüsse, Aufgabevorrichtungen usw. kann der
Gesamt-betrieb automatisch gestaltet werden. Die Zuführung der
elektrischen Energie kann auf den freien Fahrbahnstrecken durch
1) Schleifleitung als Oberleitung,
2) seitlich angebrachte Stromschienen,
3) Schleifkontakte im Schienensystem
erfolgen. Die Strecke, in der der Abwurf erfolgt, wird auf jeden
Fall mit Schleifkontakten ausgerüstet. Dadurch besteht die
Möglichkeit, den Gleichstrommotoren in der Abwurfstrecke
verschiedenen Spannungen zuzuführen und die Fahrgeschwindigkeit
der verlangten Abwurf-menge anzupassen.
Der Tatzelwurm ist allen anderen Fördermitteln für die Förderung
von Schüttgütern überlegen, wenn Steigungen und Kurven zu
bewältigen sind. Der Großteil der vorliegenden Anfragen kommt
aus der chemischen Industrie und aus Baustoff-Fabriken." |
Die Versuchsanlagen der
Weserhütte
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Die folgenden, stark
retuschierten, Aufnahmen stammen aus einer Informationsmappe der
Weserhütte, die auf der Hannover-Messe 1950 oder 1951 an interessierte Kunden
ausgegeben wurde. Sie zeigen eine Versuchsanlage auf dem
Weserhütte-Werksgelände. |
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1 Der Leerzug wird unter
einem Trichter automatisch während der Fahrt beladen. Gut zu
erkennen ist hier auch einer der beiden vorn und hinten am
Tatzelwurm angebauten Elektromotore, der einer Lokomotive
ähnlich sieht. Allerdings wird die Kraft von hier auf die
Laufräder des Tatzelwurmes übertragen, so daß das gesamte
Eigengewicht plus Nutzlast als Reibungsgewicht ausgenutzt wird.
2 Der Tatzelwurm kann Steigungen und Gefälle ebenso
überwinden wie Bögen und auch die Kombination aus diesen
Trassierungsmerkmalen.
3 Auf dieser Aufnahme erkletttert der Tatzelwurm auf der
Versuchsanlage eine Steigung von 1:5. |
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4 Während der Fahrt erfolgt
die automatische Entladung, indem durch die bogenförmige Führung
die einzelnen Fördergefäße bei der Vorbeifahrt gekippt werden
und das Material über eine Schurre nach unten rutscht.
5 Der entladene Zug verläßt die Abwurfstelle wieder über
eine Rampe. |
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Daneben existieren weitere
Werkaufnahmen, die ebenfalls einen Versuchsaufbau zeigen. |
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6 Zu sehen ist ein
Tatzelwurm auf einer Rampe. Gut zu erkennen sind die Laufräder
sowie die Rollen, die an der Abwurfstation das Kippen der
Fördergefäße ermöglichen.
7 8 Hier wird der Abwurfmechanismus deutlich: Die
Fördergefäße werden über eine Zwangsführung angehoben und
entleeren ihre Ladung über die unten den Gefäßen an den Wagen
angebrachten Auslaufrutschen links und rechts des Gleises. Der
Versuchsaufbau ist ebenerdig; im Produktivbetrieb wird die
Abwurfstation erhöht angewordnet sein oder das Material in einen
Tiefbunker geschüttet. |
Varianten der Ursprungsbauart
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Abweichend vom ursprünglichen
Konzept wurde der "Rinnenbandförderer" auch mit motorgetriebenen
Lokomotiven oder mit vollkommen anders geformten Fördergefäßen
gebaut. Aus den Weserhütte-Werksfotografien kann man diese
Varianten zweifelsfrei erkennen. Nicht bekannt ist
leider, welche Unternehmen sich einst dieses Transportmittel
zulegten. |
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9 10 Angeboten wurden auch
Züge mit Lokomotiven, deren Motorhauben die Weserhütte von
Mercedes gekauft hat. Für die Matthiaszeche kam diese Bauart zur
Auslieferung. Gezeigt wird die Beladung mit einem
Menck-Seilbagger. Später modifizierte die Zeche die Lokomotiven
(s.u.).
11 Bei dieser Bahn, deren Einsatzort leider nicht
übermittelt ist, kamen Lokomotiven zum Einsatz, die bereits ein
leichtes Dach hatten. Bemerkenswert sind hier die
trichterförmigen Fördergefäße, die ebenfalls eine
kontinuierliche Beladung erlauben sollten. |
Die Anlage Heisterholz
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Die Dampfziegelei Heisterholz an
der Weser, F. Schütte, beschaffte eine größere
Tatzelwurm-Anlage, die bis in die 1970er Jahre in Betrieb war.
Von dieser Anlage existieren Weserhütte-Werkaufnahmen ebenso wie
Bilder, die die Ziegelei für eine Festschrift aufgenommen hat. |
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1 Die Beladung in Heisterholz
erfolgte mittels eines Portaleimerkettenbaggers.
2 Ein beladener Tatzelwurm mit "Elektrolokomotiven" an der
Spitze auf der Strecke. Rechts neben dem Zug ist die
holzverkleidete Stromschiene zu erkennen, über die die
Motorfahrzeuge mit Energie versorgt wurden.
3 Die zweigleisige Rampe mit einem mittigen Laufsteg lässt die
beachtliche Steigung erkennen, die die Tatzelwürmer allein im
Reibungsbetrieb bewältigen mussten. |
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4 Ein beladener Tatzelwurm ist auf
der Rampe unterwegs und wird von Mitarbeitern der Weserhütte und
der Dampfziegelei aufmerksam beobachtet. Ganz vorne im Gleis ist
ein Schaltkontakt zu erkennen, mit dem beispielsweise das
Fahrtempo beeinflusst werden konnte.
5 Einfahrt in die Tonlagerhalle. Im Vergleich zu Bild 4 schiebt
hier ein Motorwagen den Zug.
6 Die Ansicht von unten verdeutlicht die Höhe des Bauwerks. |
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7 Der Zug hat die Entladehalle
erreicht. Abweichend von den Weserhütte-Beschreibungen verkehren
die Züge hier immer mit nur einem Motorfahrzeug.
8 9 Der Abwurfmechanismus: Über Zwangsführungen werden die
Transportgefäße angehoben und entleeren automatisch den Ton auf
die darunter liegende Halde. |
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10 Hier verlässt ein Tatzelwurm
den Eimerkettenbagger und fährt automatisch zur Tonhalle.
11 Zwei Tatzelwürmer sind auf der Rampe zur Tonlagerhalle
unterwegs. Erkennbar sind erneut die verkleideten Stromschienen
an der Innenseite der Rampe. |
Die Anlage Matthiaszeche
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Für die Braunkohlenzeche
Matthiaszeche bei Schwandorf realisierte die Weserhütte eine
abweichende Bauform des Tatzelwurms. Anstelle elektrisch
angetriebener Fahrzeuge kamen hier richtige Lokomotiven mit
Diesel- oder Benzinmotor zum Einsatz, deren Motorhauben die
Weserhütte von Mercedes bezog. Die Fördergefäße wiesen deutlich
höhere Wände und damit ein erhöhtes Transportvolumen auf. In
späteren Jahren hat die Zeche diverse Umbauten an den
"Lokomotiven" vorgenommen, bei denen vor allem der
Witterungsschutz für den Fahrer auffällt.
Die Aufnahmen stammen aus der Zeit um 1968, als die Bahn bereits
stillgelegt war. Die Braunkohleförderung war am 31.12.1966 wegen
Erschöpfung der Vorkommen eingestellt worden. |
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Quellen
Fotos und Beschreibungen:
Weserhütte AG, im Stadtarchiv Bad Oeynhausen
Fotos von Otto Uhlmann, in der Sammlung Werner Griesmeier
Dachziegelarchiv: Heisterholz Tonindustrie;
Festschrift
100 Jahre Heisterholz 1973, Seite 24 und 25 |
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letztes Update:
11.11.2011 |