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Die Firmengeschichte in Kurzform
Mit Kunze und Potthast
fing es an
1844 entsteht in der westfälischen Gemeinde Rehme am Borstenbach die
Gusshütte von Emil Kunze & Christian Friedrich Potthast, die Keimzelle,
aus der später die Weserhütte hervorgehen sollte. Kessel, Herde, Öfen,
Fenster und Säulen aus Gusseisen wurden produziert.
Zwanzig Jahre später entsteht im nahen Bad Oeynhausen Konkurrenz
durch die Firma Schuster & Krutmeyer. Julius Krutmeyer erkannte wohl
schon damals die Chancen eines größeren Unternehmens und es gelang ihm,
mit Kunze's Neffen Egbert Schuster die Rehmer Gusshütte 1869 zu
übernehmen und die Produktion nach Bad Oeynhausen zu verlagern. Am
Borstenbach verblieb einstweilen die Gießerei. Das benötigte Roheisen
wurde zu dieser Zeit per Schiff aus England angeliefert, an der Rehmer
Insel auf Eselgespanne umgeladen und zur Gusshütte befördert.
Das Eisenwerk Weserhütte wurde von Julius Krutmeyer und später
von seinem gleichnamigen Sohn zu einem schon in den neunziger Jahren des
19. Jahrhunderts überregional bekannten Unternehmen erweitert. Hufeisen,
Gittermaste für Stromleitungen, Ziegeleimaschinen und
landwirtschaftliche Geräte erweiterten das Produktionsspektrum.
Gittermasten, Brückenbauteile und Ziegeleimaschinen bildeten dabei den
Schwerpunkt. Kurz nach der Jahrhundertwende, im Jahre 1908, wurde der
Baggerbau aufgenommen, der sich in den folgenden Jahrzehnten zum
wichtigsten Standbein der Firma ausweisen sollte. Der
L 8 war das erste
Modell aus Bad Oeynhausen.
1913 konnte Krutmeyer die Erweiterungen seiner Firma nicht mehr
selber finanzieren. Zu groß war das Unternehmen bereits geworden. Daher
gründete er eine Aktiengesellschaft, die fortan die Geschicke mehr oder
weniger positiv beeinflusste.
Der Bau eines Anschlussgleises zum Bahnhof Bad Oeynhausen Nord in
der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg bedeutete eine erhebliche Verbesserung
der Transportmöglichkeiten, da alle neuen Maschinen bis dahin immer noch
mit Pferde- oder Ochsengespannen durch die Stadt gebracht werden
mussten.
Zwischen den
Weltkriegen
Die Nachwirkungen
des Ersten Weltkrieges mit dem Versailler Vertrag brachten der
Weserhütte vor allem zwischen 1924 und 1932 eine harte Zeit, die von
Absatzproblemen und Arbeitsplatzabbau gezeichnet war. Dennoch wurde
gerade in dieser Zeit der Baggerbau ausgeweitet und neue Typenreihen
entwickelt. Nach den mit Dampfmaschinen angetriebenen und auf Schienen
verfahrbaren Baggern folgten nach dem Ersten Weltkrieg Universalbagger
mit Elektro- oder Dieselantrieb, die ab 1924 auf Kettenfahrwerken
wesentlich mobiler waren. Die
LR-Typenreihe war geboren und wurde bis
Mitte der dreißiger Jahre auf Maschinen von 0,4 m³ bis 1,5 m³
Löffelvolumen ausgeweitet. Außerdem gehörten nun Grabenbagger und
Feldbahnmaterial zum Angebot.
1938 wurden die Typenbezeichnungen mit der Modernisierung der
bestehenden Typen geändert und die neuen Großbagger
W 1600 und W 2400
wurden vorgestellt.
Mit den Kriegsvorbereitungen Hitlers bekam die Weserhütte neue
Aufgaben zugewiesen: Der Bau leicht gepanzerter Spähwagen für das
Militär wurde fortan bestimmend in den Werkhallen. Vor allem diese
Fahrzeuge waren auch Grund für alliierte Bombenabwürfe über Bad
Oeynhausen und dem Weserhütte-Werk, die schwere Schäden anrichteten.
Expansion im
Wirtschaftswunder
Nach
1945 hatten die Alliierten zunächst den Bau
von neuen Baggern verboten, doch ab 1948 startete die Weserhütte in
teilweise nur notdürftig wiederhergestellten Fabrikhallen mit dem Bau
von weiterentwickelten Vorkriegstypen. Mitte der fünfziger Jahre
schließlich entstand mit der Serie
W 2 bis W 24 eine Generation von
Seilbaggern, deren Aussehen das Erscheinungsbild bis 1986 prägen sollte.
Darüber hinaus wurden vermehrt Anlagen für die Gewinnungsindustrie
angeboten: Bandanlagen,
Waggonkipper, Materialseilbahnen, Bohreinrichtungen, Kabelkrane sowie
Brech- und Siebanlagen. Auch
Eimerkettenbagger und
Schaufelradbagger
konnten die Kunden nun in Bad Oeynhausen ordern. Der Export bescherte
guten Umsatz.
Hydraulikbagger sollten ab den sechziger Jahren das Angebot
ergänzen. Zunächst versuchte man, mit der Lizenz der französischen Firma
Choc deren Bagger nachzubauen. Es entstanden jedoch nur Prototypen. Um
sich bei der anschließenden Eigenkonstruktion eines Hydraulikbaggers von
den bereits etablierten Mitbewerbern - allen voran Orenstein & Koppel
und Liebherr abzusetzen, entstand mit dem
Hydrowolff ein für die
sechziger Jahre avantgardistisches Fahrzeug, dessen Konstruktionselemente
von anderen Herstellern erst Jahrzehnt später aufgegriffen wurden. Zwar
wurde die Typenreihe bis Anfang der siebziger Jahre ausgebaut, große
Stückzahlen erreichten die Modelle mit Ausnahme des HW 70/HW 75
allerdings nicht.
Fusionen und
Missmanagement
Mit der Entwicklung
einer neuen Generation komplett hydrostatisch angetriebener Seilbagger
konnte die Weserhütte ab Ende der siebziger Jahre nochmals auf sich
aufmerksam machen. Zudem wurde eine Vertriebs-Kooperation mit Sennebogen
eingegangen, in deren Rahmen die kleineren
Sennebogen Seilmaschinen auch
unter dem Weserhütte-Logo vertrieben wurden.
In jenen Jahren kam es im Vorstand der PHB Weserhütte zu einigen sehr
zweifelhaften Entscheidungen, die schließlich 1987 im Konkurs der
traditionsreichen Firma endeten.
Die Rechte am Bau der Bagger konnte die Papenburger Schiffswerft
Sürken aus der Konkursmasse übernehmen; in Bad Oeynhausen wurden die
Maschinen jedoch nicht mehr gebaut. Sürken investierte noch in eine neue
Produktionshalle auf dem Werftgelände in Papenburg und modifizierte die
hydrostatischen Seilbagger. Es entstanden die Typen SW 141, SW 191 und
SW 311.
1992 musste Sürken ebenfalls Konkurs anmelden. Zwei Jahre lang
konnten im Rahmen des laufenden Insolvenz-Verfahrens noch Maschinen
gebaut werden, ehe die Firma Robert Nyblad die Konstruktions-Zeichnungen
und Rechte aus dem Konkurs übernehmen konnte und die
Ersatzteilversorgung übernahm.
Auf den besonderen Wunsch einzelner Kunden hin baute Nyblad 1995
und 1997 noch jeweils zwei Seilbagger vom Typ
W 320, denen nun die Ehre
gebührt, die letzten Bagger mit dem Weserhütte-Schriftzug zu sein. |
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